Der EFT und was in einer Therapie passiert

EFT-Therapie Sitzung

Bindungstheorie in der Praxis, EFT-Therapie mit Einzelnen, Paaren und Familien“ von Susan M. Johnson, ein Schlüssel zu der Anwendung von EFT.

Am Anfang dieses Buches gibt uns Sue Johnson einen Einstieg in das Thema der EFT-Therapie. Sie nimmt uns mit auf eine Reise zur Erforschung der theoretischen Grundlagen und der philosophischen Hintergründe, die hinter der Emotionsfokussierten Therapie stecken. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Grundverständnis von Bindungstheorien und verschiedenen Bindungsstilen.

Das so geschaffene Basiswissen dient als Grundlage für den eigentlich wichtigen Teil des Buches, denn im Weiteren geht es, wie im Titel versprochen, in die Praxis. Schritt für Schritt erklärt Sue Johnson das Therapieverfahren der EFT und stellt die Makro- und Mikro-Interventionen vor.

Die Methoden, die Johnson beschreibt, laden förmlich dazu ein, sie direkt auszuprobieren. Passend dazu, schließt jedes Kapitel mit kleinen Übungsaufgaben ab, die es ermöglichen, das Neugelernte zu vertiefen. Zudem enthält das Buch auch Fallbeispiele, wodurch die Konzepte der EFT verdeutlicht und lebendiger werden.

Das Buch, Bindungstheorie in der Praxis, gibt Klarheit für die Frage: „Was passiert eigentlich in einer Therapie? Wie schaffen es Therapeut*innen, Veränderung und Heilung anzutreiben?“ Das naive Bild von der allwissenden Therapeutin, die auf wundersame Weise ihre Klient*innen auf den Weg der Verbesserung schickt, hat sich geändert. Das Buch gibt einen ersten Einblick in die Methode der EFT, sodass anstelle dieses naiven Bildes nun eine klare Landkarte der Bindungstheorie, Emotionen und des sogenannten EFT-Tangos kommt.

Theorie ist wichtig

Die ersten Kapitel des Buches zeigen, dass es in Beziehungen in erster Linie um Bindung geht. Dementsprechend entscheidend ist die Rolle der Bindungstheorie. Die Bindungstheorie von John Bowlby (1968, 1988) ist wohl eines der interessantesten Theorien in Feld der Psychologie. Es handelt sich im Grunde um eine entwicklungsorientierte Perspektive auf Emotionsregulation und Persönlichkeit. Bekommt ein Kind von seinen Eltern/Bindungsperson zuverlässig körperliche und emotionale Nähe, dann entwickelt es ein grundlegendes Sicherheitsgefühl. Dieses grundlegende Sicherheitsgefühl ist wichtig, damit sich beim Kind die Erwartung einer sicheren Welt etablieren kann. Weiterhin führt es auch dazu, dass das Nervensystem des Kindes weniger sensibel auf Gefahren reagiert. Bowlby schlägt darauf aufbauend ein Modell mit vier verschiedenen Bindungsstilen vor. Einerseits die sichere Bindung. Sie entsteht, wenn die Eltern ansprechbar, responsiv und emotional engagiert auf das Kind reagieren. Neben der „sichern Bindung“ gibt es jedoch auch unsichere Bindungsstile. Zu diesen Bindungsstilen zählen die ängstliche, die vermeidende und die desorganisierte Bindung. Alle vier Bindungsstile stellen keine festen Charakterzüge dar, sondern können sich in Folge neuer Erfahrungen verändern.

Bei der EFT-Paartherapie trifft man oft Klient*innen mit unsicheren Bindungsstilen, welche die Vertrauenswürdigkeit anderer Menschen hinterfragen oder sich selbst nicht als liebenswert empfinden. Zentral sind häufig Fragen wie: „Kann ich auf dich zählen?“, und „Bin ich deiner Liebe würdig?“

Die Rolle der Emotionen

In der EFT werden Emotionen als wichtiger Bestandteil der Veränderung gesehen. Neue Emotionen lösen neue Reaktionen und Handlungen aus. Wenn Menschen Probleme damit haben, ihre Emotionen zu regulieren, liegt es oft daran, wie sie Bedrohungen und Schmerz verarbeiten. Deswegen hat Angst einen besonders hohen Stellenwert in der EFT. Das Erkennen und die Aufarbeitung primärer Gefühle wie Wut, Traurigkeit und Angst stellt einen zentralen Teil des EFT-Therapieprozesses dar. In der sogenannten Affektzusammenführung werden die einzelnen Elemente von Gefühlen wie ein Puzzle zusammengesetzt. Das Puzzle setzt sich zusammen, aus dem Auslöser der Emotion, der unmittelbaren Wahrnehmung, der körperlichen Reaktion, der Bedeutungsgebung und letztlich einer Handlungstendenz, welche mit der Emotion einhergeht. Die Therapeut*in könnte zum Beispiel fragen: „Was ging gerade in Ihnen vor, als ich sagte…?“ oder die Aufmerksamkeit auf das Körpergefühl lenken: „An welcher Stelle in Ihrem Körper fühlen Sie das jetzt?“. Die Fähigkeit, das eigene Erleben bedeutungsvoll zu erkennen und zu verstehen, ist entscheidend für unser Wohlergehen.

Bei der Regulation unserer Gefühle können uns geliebte Menschen helfen. Diese sogenannte Koregulation von Emotionen wird oft in der EFT angewendet. Das Konzept der Koregulation von Emotionen beantwortet die Frage: „Wieso ist es so heilsam, mit Vertrauenspersonen über Gefühle zu sprechen?“ Die Antwort ist relativ simpel. Wir Menschen sind von Natur aus soziale Wesen und es kostet uns weniger Energie und emotionale Ressourcen, wenn wir bedrohliche und unangenehme Situationen nicht allein meistern müssen.

Dabei gibt die EFT-Therapie einen sicheren Rahmen, in welchem die Klient*innen ihre Emotionen zusammenfügen und vertiefen, neue korrigierende emotionale Erfahrungen machen, und neue konstruktive Interaktionsmuster finden können.

Tanz als Metapher der Beziehung und Tango als Makro-Intervention der EFT

Das Buch benutzt viele Metaphern und bildliche Sprache, was auch in der EFT-Therapie als hilfreich betrachtet wird. Eine dieser Metaphern beschreibt die Liebes- oder Familienbeziehung als einen Tanz zu emotionaler Musik. In der EFT-Therapie wird deswegen weniger reflektierend über Gefühle gesprochen, sondern es wird zu großen Teilen erfahrungsbezogen gearbeitet.

Eine andere Metapher ist der Tango als Makro-Intervention der EFT.

  • Der erste „Move“ der Therapeut*in ist es, das, was aktuell in der Therapiesitzung passiert, aus Vogelperspektive zu beschreiben. Im besten Fall werden die oftmals unbewussten Verhaltensmuster der Klient*innen aufgedeckt und erscheinen in einem neuen Licht. Wir erkennen die Schritte der Klient*innen, wie sie einander beeinflussen und wie sich diese negativen Zyklen letztlich selbst aufrechterhaltenden.
  • Der zweite Move beinhaltet die Zusammenfügung der Affektelemente über ein neues Element, das auftaucht. Diese führt zu einem tieferen Verständnis des Partners oder der Familienmitglieder. Die Therapeutin führt die Klient*innen durch möglich auftauchende Blockaden.
  • Im dritten und vierten Move werden die Klient*innen eingeladen, auf einander zu zugehen, neue Elemente in emotionalen Begegnung zu teilen und darauf zugewandt und engagiert zu reagieren. Hier werden, um bei der Tanz-Metapher zu bleiben, neue Begegnungen choreografiert und somit alternative Wege zur Interaktion mit dem Partner (wieder-) entdeckt.
  • Wie schon im ersten Move werden auch im fünften Move die Interaktionen zwischen den Klient*innen gespiegelt. Jetzt wird aber gleichzeitig die neue korrigierende emotionale Erfahrung validiert und der Mut der Klient*innen gewürdigt. Dadurch kann ein neues gespürtes Bild von den Verhaltensmustern, den primären Gefühlen und Bindungsbedürfnissen von selbst und andere entstehen.

Anstelle gegenseitiger Schuldzuweisungen oder Rückzug kann das zusammen entstandene Interaktionsmuster als Quelle der Beziehungsprobleme erkannt und anschließend gestoppt werden und durch positive koregulierende Muster ersetzt werden.

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